Die weit entfernten Länder des Kontinentes Jina Kuro




Der Kontinent Jina Kuro liegt auf der anderen Seite des Meeres, welches an Muaëra grenzt. Dort ist nicht viel über die fernen Länder bekannt. Seefahrer brachten vor langer Zeit eine Karte von dort mit und ein paar wenige Geschichten.

Eine handelt von den beiden großen Landmassen, Kérajaan im Norden und Nansuwáng im Süden. So lange die Erzählungen zurückreichen, bewegen sich die beiden jedes Jahr ein kleines Stück aufeinander zu. Während dadurch im Norden über lange Zeit hinweg das Ku-Sawár-Gebirge mit seinen Feuerbergen aufgetürmt wurde, sank Nansuwáng dagegen weiter ab. Das Wasser stieg und die Passage zwischen beiden Ländern wurde breiter. So ging vor etwa 300 Jahren die einstige Hafenstadt Banjiyat verloren. Eine Sturmflut hatte die Deiche überspült und das Wasser war nie mehr abgelaufen. Die Überlebenden hatten einsehen müssen, dass dieser Kampf gegen die Kräfte der Natur verloren war, und die Stadt endgültig verlassen. Heute liegt sie unter Wasser und es gibt nur noch grobe Angaben zu ihrem Standort. Asràja dagegen lag zur Zeit ihrer Gründung einige Kilometer weiter im Landesinneren am Eingang in das Delta des Shí. Als das Meer die Mündung immer weiter flussaufwärts verschob, verschwand das Delta schließlich und Asràja wurde zur Küstenstadt. Die Bewohner haben die Stadt gut gegen Stürme gesichert, doch sie wissen, dass es bloß eine Frage der Zeit ist, bis sie die Stadt eines Tages aufgeben werden müssen.

Eine andere Geschichte erzählt vom Untergang Nas'tajs. Die einst große Stadt wurde vor Jahrhunderten auf einer damaligen Halbinsel erbaut. Sie war damals schon höher gelegen als ihr Umland und hatte viele heiße Quellen, was ganzährig guten Ackerbau ermöglichte. So wurde Nas'taj schnell zu einem bedeutenden Getreidelieferanten für sowohl Kérajaan als auch Nansuwáng. Das steigende Wasser war kein Problem, es konnte den Hügel, auf dem die Stadt lag, nie erklimmen, wie es in Überlierferungen heißt. Die Waren wurden schließlich einfach auf Schiffe verladen und erreichten wie immer ihr Ziel. Eines Tages aber stiegen große Dampfschwaden von den Quellen auf. Das Wasser für die Felder wurde kochend heiß und verbrannte alles, was direkt mit ihm in Berührung kam. Nur wenig später waren alle Kanäle ausgetrocknet. Die Bewohner bekamen Angst, doch sie wussten nicht, was der Grund für dieses Ereignis war. Sie untersuchten die Quellen, konnten aber keine Antwort finden. Als noch am Nachmittag des selben Tages die Erde zu beben anfing, war die gesamte Stadt in Panik. Gerüchte kamen auf, dass die Natur sich zurückholen wollte, was sie jahrhundertelang den Bewohnern der Nas'tajs gegeben hatte. Die ersten beluden Boote und legten ab in Richtung des sicheren Festlandes. Den Erzählungen nach schafften es acht Fischer- und fünf private Segelboote einen sicheren Abstand zur Insel einzunehmen, bevor sie in Rauch und Feuer verschwand. Viele der Getreidefrachter, die im Hafen gelegen hatten, waren ebenfalls schon voll mit Flüchtenden aufgebrochen, aber ihre Größe und das hohe Gewicht hatten sie aufgehalten. Glühende Gesteinsbrocken zertrümmerten sie oder entfachten Feuer auf ihnen.
Die wenigen, die rechtzeitig losgekommen waren, erreichten in der Nacht den Hafen von Asràja. Die Wolke voller Staub und kleinen, leichten Fetzen, die wirken wie Papier, war bereits vor ihnen eingetroffen und hatte sich in wenigen Tagen über Nansuwáng ausgebreitet wie eine tödliche Decke. Vieh starb und wer zu viel davon einatmete oder damit verseuchtes Wasser trank, wurde krank und starb im schlimmsten Fall. Die Geretteten aus Nas'taj konnten Tage nach ihrer Flucht wieder bis zur Insel blicken. Ein Vulkan hatte sich in ihrem Zentrum hoch aufgetürmt, noch immer stieg Rauch von ihm auf. Nas'taj war nicht mehr zu sehen. Als Wochen danach ein paar Fischer es wagten, an die Insel heranzufahren, die ihre Heimat gewesen war, sahen sie nur noch Ruinen, die aus Asche und erkalteten Strömen aus Gestein herausragten. Sie gaben dem Vulkan den Namen 'Khuzujákahn', was so viel bedeutet wie 'Bote des Todes'.



















































© 2018 Maximilian Honig & Carolin Rades